AC-Gelenkssprengung

AC-Gelenkssprengung

 

Anatomie:

Das Schlüsselbein ist über das Schultereckgelenk  (Akromioklavikulargelenk) mit dem Schulterblatt verbunden. Diese beiden jeweils V-förmigen Strukturen sind seitengleich angelegt und werden Schultergürtel genannt, der der oberen Brustwand aufliegt. Die gesamte obere Extremität ist ausschließlich über den Schultergürtel mit dem Rumpf verbunden und damit von entscheidender Bedeutung für die Kraftübertragung der Arme auf den Rumpf.
Schlüsselbein und Schulterblatt sind dabei über straffe Bänder miteinander verbunden. Das AC-Gelenk ist trotz eingeschränkter Beweglichkeit ein echtes Gelenk, die Gelenksflächen sind mit Knorpel überzogen, passen aber nicht exakt zueinander. Dies wird durch einen sogenannten Discus (Gelenksscheibe) ausgeglichen. Dieser Discus ist vor allem bei Überkopfarbeiten besonders beansprucht und wird ab dem zwanzigsten Lebensjahr zusehends abgenützt.

Ursachen:

Unfallbedingte Zerreißung der Gelenkskapsel- und Bandstrukturen meist durch Sturz direkt auf die Schulter oder auf den ausgestreckten Arm.

Diagnose:

Auf Grundlage der Unfallanamnese und der klinischen Untersuchung lässt sich die Diagnose recht einfach stellen. Das Schultereckgelenk ist geschwollen ausgeprägt druckschmerzhaft, bei höhergradiger Verrenkung federnd fixiert (Klaviertastenphänomen: charakteristisch bei AC-Gelenkssprengung, der körperferne Teil des Schlüsselbeines ist hochstehend, nach dem Niederdrücken federt der Knochen wieder in die Fehllage zurück) Im Röntgen wird die Fehlstellung in der gehaltenen Aufnahme mit Gewichtsbelastung sichtbar, je nach Abweichung von der anatomischen Stellung erfolgt dann die Gradeinteilung.

Symptome:

Schwellung und schmerzbedingte Bewegungseinschränkung, vor allem beim Abspreizen des Armes vom Körper.

 

Gradeinteilung nach Tossy und Rockwood:
  • Tossy I: kleine Einrisse der Bandstrukturen (nur konservative Behandlung notwendig)
  • Tossy II: größere Einrisse bis Teilrupturen der Bandstrukturen (operative Behandlung optional, aber selten)
  • Tossy III: Komplettruptur der gesamten schulterstabilisierenden Bandstrukturen (operative Behandlung kann bei jüngeren Patienten empfohlen werden, aber auch konservative Behandlung ist möglich).
Neuer und genauer ist die Einteilung nach Rockwood:
  • Rockwood I: Zerrung des Kapsel-/Bandapparates. Keine Schultereckgelenkinstabilität (entspricht Tossy I).
  • Rockwood II: Teilzerreißung des Kapsel-/Bandapparates (Ruptur der akromioklavikularen Bänder) mit Teilverrenkung des Schultereckgelenkes (entspricht Tossy II).
  • Rockwood III: Zerreißung des kompletten Kapsel-/Bandapparates (Ruptur der akromioklavikularen Bänder und der korakoklavikularen Bänder) mit vollständiger Verrenkung des Schultereckgelenkes
  • Rockwood IV: Das seitliche Schlüsselbeinende verrenkt sich in der Horizontalebene. Dabei kann es sich im M. trapezius verhaken.
  • Rockwood V: Extremer Schlüsselbeinhochstand mit ausgedehnter Ablösung der Muskelansätze am seitlichen Schlüsselbeinende.
  • Rockwood VI: Verrenkung des seitlichen Schlüsselbeinendes fußwärts unter das Korakoid
Therapie:

Die Festlegung der Therapiestrategie richtet sich primär nach der Gradeinteilung und sekundär nach der körperlichen bzw. sportlichen Aktivität des Patienten.
Die konservative Therapie beschränkt sich auf die Immobilisation für ca. 3 Wochen und lokale und systemisch Wirksame entzündungshemmende und schmerzstillende Medikamente.
Bei der operative Therapie werden unter Bildwandlerkontrolle über zwei kleine Hautschnitte die Implantate (ein Kirschnerdraht transarticulär und ein Tight-Rope coracoclavicular) eingebracht. Bei dieser minimal invasiven Operationstechnik kann auf die Gelenkseröffnung und somit weitere Weichteilschädigung verzichtet werden. Der Kirschnerdraht wird nach 6 Wochen in Lokalanästhesie entfernt.

Nach der Operation/Rehabilitation/Physiotherapie:

Eine Immobilisation (Ruhigstellung mittels Schulter-Arm-Bandage) sollte prinzipiell so kurz wie möglich und solange wie nötig durchgeführt werden, in der Regel 7-10 Tage bis zur Wundheilung. Bewegungsübungen und leichte körperliche Betätigungen sind nach dieser Zeit möglich. Regelmäßige Verlaufskontrollen und begleitende physiotherapeutische Maßnahmen beschleunigen den Heilungsverlauf. Das Abspreizen des Armes über die Horizontalebene ist für 5-6 Wochen zu vermeiden.