Schulterverrenkung

Schulterluxation / Schulterverrenkung
Definition:

Unter einer Schulterluxation  (lat. Luxatio glenohumeralis) versteht man eine Ausrenkung des Schultergelenks. Die Schulterluxation ist eine der häufigsten Luxationen der großen Gelenke. Sie kann durch einen Unfall (traumatische Luxation) oder anlagebedingt durch einen lockeren Kapselbandapparat (habituelle Luxation) verursacht sein. Symptome sind eine schmerzbedingte Einschränkung der Beweglichkeit im Schultergelenk  und eine charakteristisch veränderte Schulterform.

Anatomie:

Da das Schultergelenk ein rein muskelgesichertes Gelenk mit einem hohen Bewegungsumfang darstellt, ist in diesem Gelenk die Luxation am häufigsten. Zusätzlich förderlich für die Luxierbarkeit ist die relativ kleine Gelenkspfanne am Schulterblatt.

Je nach der Richtung der Luxation unterscheidet man vier verschiedene Luxationsformen:

  • Vordere Schulterluxation (lat. luxatio subcoracoidea) ist mit über 90 % die häufigste
  • Schulterluxation
    Hintere untere Schulterluxation (lat. luxatio infraspinata)
  • Untere Schulterluxation (lat. luxatio infraglenoidalis bzw. axillaris)
    Erhobene Schulterluxation (lat. luxatio erecta): Oberarmkopf nach unten ausgekugelt  bei
  • zusätzlich senkrecht nach oben gehaltenem Arm
Ursachen

Die traumatische (unfallbedingte) Luxation wird durch eine hebelnde Krafteinwirkung auf den gestreckten Arm verursacht, typischerweise von vorne bei Außendrehung und abgewinkeltem Arm. Nach einer Luxation können schon bei geringeren Kräften neuerliche Verrenkungen auftreten. Die Ursache dafür sind verbliebene oder nicht erkannte Schäden am Kapsel-Band-Apparat, Abriss der unteren Gelenkslippe (Bankart-Läsion), Knochenabbrüche sowie Knorpel-, Muskel- und Nervenschäden.

Die  habituelle (gewohnheitsmäßige) Luxation wird durch vorbestehende Faktoren begünstigt, wenngleich die exakten Entstehungsmechanismen bis heute nicht vollständig geklärt sind. Dies können unter anderen Abnormitäten der Gelenkkapsel, Fehlformation der Gelenkpfanne, Bindegewebs- und Muskelschwäche sein. Die erstmalige Verrenkung ist meist nach vorne gerichtet und tritt vorwiegend bei jüngeren Patienten ohne entsprechendes Trauma auf.

Diagnose:

Auf Grundlage der klinischen Untersuchung und der deutlich sichtbaren Deformität der Schulter mit der Delle unter dem Schultereckgelenk lässt sich die Diagnose recht einfach stellen. Vor den therapeutischen Maßnahmen (Reposition: Einrenken) ist eine Röntgenkontrolle zum Ausschluss eine zusätzlichen Fraktur zwingend. Nach Reposition sollte eine Magnetresonanztomographie zur Feststellung von Begleitverletzungen durchgeführt werden.

Symptome:

Das Schultergelenk ist federnd fixiert, es besteht ein Spontan- und Bewegungsschmerz. Der Arm steht bei der vorderen Luxation meist in leicht abgespreizter Stellung und wird mit dem gesunden Arm gehalten. Die Schulterkontur ist eher eckig, Die Gelenkpfanne ist leer tastbar. Gelegentlich kommt es auch zur Schädigung von Gefäßen oder Nerven, wodurch Störungen der Durchblutung, Beweglichkeit und Gefühlswahrnehmung im Arm auftreten können.

Therapie:

Die gedeckte nicht operative Reposition der Luxation sollte möglichst schnell erfolgen, wobei verschiedene Techniken zur Anwendung kommen. Bei der Reposition nach Arlt wird der Zug nach unten über eine gepolsterte Stuhllehne als Hebellager durchgeführt. Bei der Reposition nach Hippokrates übt der Arzt einen axialen Zug auf den gestreckten Arm aus, während er seinen eigenen Fuß als Hebellager in der Achsel des Patienten platziert. Diese Manöver erfordern zuweilen eine vorherige intravenöse Schmerztherapie. Anschließend wird das Gelenk für bis zu drei Wochen (je nach Schweregrad/Luxationsursache etc.) in einer Schulterarmbandage ruhiggestellt, worauf allerdings bei älteren Patienten aufgrund der Gefahr einer Schulterversteifung verzichtet werden sollte.

Die operative Therapie/Reposition ist angezeigt bei nicht gelungener, geschlossener Reposition, Komplikationen wie Gefäß- Nervenschäden, Begleitfrakturen und verschobenen Knorpelläsionen sowie habituellen Luxationen. Dies kann je nach Defekt  mittels Gelenksspiegelung  oder offener Gelenkschirurgie durchgeführt werden

Nach der Operation/Rehabilitation/Physiotherapie:
Eine Immobilisation (Ruhigstellung mittels Schulter-Arm-Bandage) sollte prinzipiell so kurz wie möglich und solange wie nötig durchgeführt werden und richtet sich meist nach den Begleitverletzungen. Durch regelmäßige Verlaufskontrollen und physiotherapeutische Maßnahmen kann das Risiko einer Schultersteife deutlich minimiert werden.